[Eigenes Exemplar / selbst erworben]

Zum Inhalt:

New York 2014: Annas Vater ist 2001 beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen. Anna hat ihn nie kennengelernt. Als unverhofft ein Brief ihrer Großtante Hannah aus Kuba eintrifft, beschließt sie, ihre Großtante in Kuba zu besuchen, um endlich etwas über ihren Vater herauszufinden.

Berlin 1939: Hannah ist elf Jahre alt, als sie mit ihrer Familie auf der St. Louis Richtung Kuba aufbricht, um die Gefahren des Nationalsozialismus hinter sich zu lassen. Denn sie sind jüdischen Glaubens. Doch während der Reise ändert Kuba die Einreisebedingungen und nur wenige Menschen dürfen das Schiff in Kuba verlassen. Hannahs Familie wird auseinandergerissen und ihr Vater zurück nach Deutschland geschickt…

Meine Meinung:
Die Geschichte spielt in zwei Handlungssträngen. Da ist einmal die elfjährige Hannah, die gemeinsam mit ihrem besten Freund nicht wirklich versteht, in welcher Gefahr sie beide und ihre Familien schweben. Wie sollten sie auch?
Doch dann gelingt ihren Familien die Ausreise nach Kuba mit dem Schiff. Auf der St. Louis ist die Welt in Ordnung. Der Kapitän jemand, der das Leid der Menschen nicht ausnutzt und das Herz am rechten Fleck besitzt. Und der – als klar wird, dass Kuba nicht – wie ursprünglich zugesagt – alle Menschen an Bord der St. Louis aufnehmen wird, alles Menschenmögliche tut, um die Menschen nicht zurück nach Deutschland bringen zu müssen.

Hannah und ihr bester Freund Leo erleben auf der St. Louis ein paar unbeschwerte Wochen. Ihre kindliche Freude beim Lesen zu spüren nach all der schweren Zeit der Entbehrungen und Drangsalierung hat mein Herz berührt. Als klar wird, dass nur Hannah und ihre Mutter Kuba betreten dürfen, verändert das alles. Für immer.

Der zweite Handlungsstrang handelt 2014 von Anna, die unbedingt mehr über ihren Vater und sein Leben herausfinden möchte. Ihre Mutter kämpft seit dessen Tod mit Depressionen und ihr Kummer war deutlich spürbar beim Lesen. Anna umsorgt ihre Mutter und versucht, ihr da rauszuhelfen, doch das ist für ein Kind eine zu schwere Bürde.

Als der Brief der Großtante Hannah aus Kuba eintrifft und Annas Mutter beschließt, mit Anna nach Kuba zu reisen, verbinden sich die beiden Handlungsstränge zu einer gemeinsamen Geschichte.

Der Leser erfährt, wie es Hannah und ihrer Mutter auf Kuba ergangen ist, ob sie ihren Vater und Leo jemals wiedergesehen hat.  So viele tragische Schicksale. So viel Abschied. So viel Tod.

Die Geschichte wird bildhaft ergänzt durch Fotos der originalen Passagierliste und der Passagiere der St. Louis. Dadurch bekommt dieser Roman nochmal eine andere, sehr dunkle Schwere.

Zu wissen, dass diese Geschichte nicht fiktiv ist und die Männer, Frauen und Kinder auf den Fotos nur zu einem kleinen Teil den Holocaust überlebt haben, das tut schon beim Anschauen im Herzen weh.

Zu wissen, dass es Länder gab, wie die USA und Kanada und einige andere, die es abgelehnt haben, die Passagiere der St. Louis aufzunehmen und viele von ihnen somit in den sicheren Tod geschickt haben, macht beim Lesen fassungslos.

Die Geschichte lässt beim Lesen den Schrecken des Nationalsozialismus dem Leser wieder deutlich werden und man zieht beim Lesen erschreckende Parallelen zur heutigen Zeit.

Hass, Ausgrenzung, Faschismus erfahren in diesen Tagen immer mehr Zuspruch. Sei es aus der Bevölkerung oder aus der Politik. Faschismus wird wieder salonfähig. Das darf nicht geschehen. Nicht heute und auch nicht in der Zukunft. Und es liegt in unserer Hand, dass wir in Zukunft nicht in einem faschistischen Regime leben.

Wir sind alle Menschen. Wir tragen alle das gleiche Blut in uns. Das dürfen wir niemals vergessen. Egal aus welchem Land. Egal welcher Religion. Wir sind Menschen.

#niewiederistjetzt