[Werbung / Rezensionsexemplar]
Zum Inhalt:
Rosa und Nikolas. Das hätte etwas Großes werden können. Etwas für immer. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Drei Monate nach ihrem Kennenlernen stirbt Nikolas plötzlich und Rosa stellt fest, dass sie ihn eigentlich gar nicht richtig kannte. Also macht sie sich auf die Suche nach Antworten, wer Nikolas denn eigentlich wirklich war.

Meine Meinung:
Ich hatte das große Glück, den sympathischen Autor dieses wunderbaren Buches auf der Buchmesse in Leipzig bei einer Lesung kennenlernen zu dürfen und habe mich von „Eine Liebe ohne Sommer“ schon bei der Lesung in den Bann ziehen lassen.
Rosa ist freie Lektorin und Ghostwriterin und lernt Nikolas (den Sohn ihrer Nachbarin) zufällig im Hausflur kennen. Sie stellen schnell fest, dass sie sich mögen, aber Nikolas bleibt immer ein Stück weit distanziert und geheimnisvoll.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Rosa erzählt und spielt in zwei Zeiten: da ist zum einen die Zeit, als Rosa und Nikolas sich kennenlernen und einander immer näherkommen und dann die Zeit nach seinem Tod, als Rosa beim Ausräumen der Wohnung feststellt, wie wenig sie eigentlich von Nikolas wirklich wusste.
Rosa ist eine sympathische junge Frau, die nicht so leicht mit dem Tod von Nikolas zurechtkommt. Seine Mutter erwartet, dass sie in unendlicher Trauer um Nikolas ist. Das fühlt sich – in Anbetracht ihrer kurzen Beziehungszeit – für Rosa nicht richtig an. Doch wie trauert man denn eigentlich richtig? Gerade um jemanden, von dem man nicht weiß, wer dieser Mensch wirklich für einen geworden wäre.
Rosa beschließt- nach der überaus deprimierenden Trauerfreier, die Nikolas übergriffige Mutter Ellen organisiert hat – herauszufinden, wer Nikolas eigentlich wirklich war.
Immer an ihrer Seite: ihre beste Freundin Steffi, die oftmals eine große Klappe hat und kein Blatt vor den Mund nimmt. Solche Freunde sind Gold wert. Die muss man gut festhalten.
Rosa beginnt nach den Menschen zu suchen, die Nikolas zu Lebzeiten etwas bedeutet haben. Und sie wird fündig: Martin, Oliver, Jazzy, Dickes Kind, nur um einige Namen zu nennen.
Mit jeder Begegnung lernt Rosa eine ihr bisher unbekannte Seite mehr von Nikolas kennen und bereichert durch diese Begegnungen und ihre Fragen schlussendlich auch ihr eigenes Leben. Es entwickeln sich neue Freundschaften. Alte Streitereien lösen sich auf. Ein wenig Heilung in der gemeinsamen Trauer. Vertrauen. Liebe. Gemeinschaft.
Ich will nicht zu viel von der Handlung verraten. Das Buch hat mich sehr berührt. Gerade, weil ich auch nach zwei schmerzlichen Verlusten in den letzten 22 Monaten immer noch viel trauere.
Rosas Umgang mit ihrer Trauer und ihrer Unsicherheit, ob ihre Gefühle denn eigentlich okay sind, ob ihre Trauer so oder anders sein müsste, verstehe ich so gut und habe mich selbst beim Lesen etwas weniger allein mit meinen eigenen Emotionen gefühlt.
Sie schreibt z.B. eine Liste, um wen oder was sie im Leben bisher getrauert hat:
„Um das rote Kleid mit den weißen Kringeln, das ich als kleines Mädchen so geliebt habe, und dann passte es nicht mehr, und dann war es weg und Mama sagte, ich solle mein Herz nicht an Dinge hängen, nur an Menschen, und auch bei denen sei das so eine Sache“ – Seite 311
Vielleicht mache ich das auch mal. Eine Liste schreiben. Denn Rosas Listen in diesem wunderbaren Buch haben mir ziemlich gut gefallen.
Eine Frage, die Rosa ziemlich umtreibt – gerade auch, weil sie eben nicht genau weiß, was Nikolas und sie füreinander gewesen sind – denn das eine klare „Ich liebe Dich“ hat keiner von ihnen in den drei Monaten Beziehung jemals ausgesprochen – woran erkennt man sie: diese große Liebe, die so einzigartig sein soll? War Nikolas ihre große Liebe? Oder hätte er es werden können?
„Ich habe dich zweimal kennengelernt. Beim ersten Mal warst du dabei“ – Seite 15
Und diese Frage stellt Rosa nun den Menschen, die ihr auf der Suche nach Nikolas begegnen. Und – wie soll es anders sein – jeder hat eine andere Antwort, andere Erfahrungen, andere Erwartungen an „die große Liebe“.
„Ich habe gedacht, ich habe etwas falsch gemacht. Oder dass ich es nicht verdiene, geliebt zu werden. Franka hat es aber irgendwann mal auf den Punkt gebracht: Du hast alles richtig gemacht, hat sie gesagt, und wir können beide nichts dafür, dass ich nicht der richtige Mensch dafür war.“ – Seite 285
Jeder Mensch aus Nikolas Leben fügt ein Puzzleteil hinzu und so ergibt sich letztendlich ein wunderbares buntes Bild von ihm, voller Liebe und Freundschaft. Und genau darauf kommt es doch an. Das ist es, was im Leben letztendlich zählt. Und danach auch.
Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei Timothy Paul und dem Rowohlt Verlag für dieses wundervolle Rezensionsexemplar.
Die Welt braucht mehr solcher Geschichten. Legt euch Taschentücher beim Lesen bereit.
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