Der Bücher-Blog

Schlagwort: Erste Liebe

Rezension: „Elektrische Fische“ von Susan Kreller

[Eigenes Exemplar / selbst erworben]

Zum Inhalt:

Emma zieht mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern nach der Trennung vom Vater von Irland in einen kleinen Ort nach Mecklenburg-Vorpommern zu den Großeltern mütterlichseits.

Während es für Emmas Mutter ein „nach Hause kommen“ ist, haben Emma, Dara und Aoife große Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen. Heimweh, die zurückhaltenden Großeltern, die Enge des Hauses und die Schwierigkeiten in der Schule tun ihr Übriges dazu bei.
Also fasst Emma einen Plan: sie will zurück nach Irland. Und helfen soll ihr ihr Klassenkamerad Levin…

Meine Meinung:

Schon das Cover stimmt einen auf die Geschichte von Emma ein: ein junges Mädchen, ganz allein am Meer.

Emma will nicht nach Deutschland. Das belastet das Verhältnis zu ihrer Mutter sehr. Sie reden nicht mehr miteinandern. Die Mutter ist ihr fremd geworden. Alles erdrückt sie. Das Zimmer im Haus der Großeltern, dass sie mit ihrer kleinen Schwester teilen muss. Die wortkargen Großeltern, die so fremd sind. Die Schule, in der die anderen Jugendlichen alle irgendwie komisch sind. Der spießige Ort, in dem sie nun leben. Es gibt nichts, was in Velgow schön ist. Gar nichts.

Emmas achtjährige Schwester Aoife hat es noch schwerer. Sie spricht nicht so gut Deutsch wie Emma. Das und ihr ungewöhnlicher Name sorgen dafür, dass sie in der Klasse überhaupt keinen Anschluss findet. Nach kurzer Zeit zieht Aoife sich vollkommen in sich selbst zurück und hört auf mit Sprechen. Nichts, wirklich gar nichts, bringt sie dazu, wieder mit Reden zu beginnen.

Emma will zurück nach Dublin. Doch wie soll sie das anstellen? Als sie Levin kennenlernt und die beiden irgendwie Freunde finden, beschließt Levin ihr zu helfen und die beiden schmieden einen todsicheren Plan.

„Und im Zimmer meiner Mutter wird mir irgendwann klar, dass man mit Heimweh immer alleine ist, Heimweh ist ein winziger Raum, der nach Eukalyptusriecht, Heimweh ist ein Zimmer mit alten braunen Möbeln und einem viel zu schmalen Bett und das schlimmste Heimweh ist das, das nach einigen Monaten wiederkommt, viel stärker als zuvor und ausgerechnet dann, wenn man schon gar nicht mehr richtig daran gedacht hat.“ – Seite 130

Levin hat auch ein schweres Päckchen zu tragen. Die Krankheit seiner Mutter bestimmt das Leben seiner Familie. Und auch er ist einsam. Sie wie Emma. Wenn auch auf eine andere Art und Weise.

Und so nähern sich die beiden an. Werden Freunde. Und dann rückt der Tag der Flucht nach Dublin immer näher….

„Ich glaube, ein Abschied beginnt spätestens dann, wenn man genau zählen kann, wie oft man sich noch sehen wird. Oder wenn man es ungefähr sagen kann. Oder wenn man nicht weiß, ob man sich überhaupt noch mal sieht“ – Seite 149

Emma ist mutig. Emma will sich nicht mit der Situation abfinden. Doch – unmerklich verändert sich etwas in ihr. Alles wird vertrauter. Levin ganz besonders. Die Einsamkeit verändert sich. Fast unbemerkt.

Die Einsamkeit und Traurigkeit von Emma und ihren Geschwistern sind zu Beginn auf jeder Seite zu spüren. Das Leben scheint vollkommen trostlos. Diese Stimmung dominiert den größten Teil der Geschichte. Das kann mitunter beim Lesen beklemmend wirken.

Dennoch gibt es nach einem Weilchen auch Lichtblicke und Hoffnung. Hoffnung, dass Freundschaft auch trostlose Situationen verändern kann. Das aus schwierigen Situationen auch etwas Gutes entstehen kann. Auch wenn man das zu Beginn nicht sehen kann.
Man darf nur die Hoffnung nicht aufgeben und muss sein Herz öffnen. Und versuchen, auch im Regen zu tanzen.

„Elektrische Fische“ ist ein lesenswertes Buch und gleichermaßen für junge Leser und Erwachsene geeignet.

Rezension: „Du weißt nen schei* über Sterne“ von Petr Hanel

[Werbung / Rezensionsexemplar]

Zum Inhalt:

Marky ist 17 und frisch verliebt in seinen Crush. Doch noch ist es ungewiss, ob Val diese Gefühle erwidert. Und als ob das nicht schon als Problem für einen 17jährigen ausreichend ist, sind seine Tage von Geldsorgen und Schwierigkeiten mit dem eigenen Freundeskreis geprägt.

Er versucht, Val für sich zu gewinnen. Tik Tok Videos zum Thema „Männlichkeit“ sollen ihm dabei helfen. Doch ob das der richtige Weg ist?

Meine Meinung:
Die Geschichte von Marky ist eine Geschichte, wie sie vermutlich täglich tausende junge Menschen erleben. Die eigene Identität zu entwickeln, während man erwachsen wird. Sich durch den Schulalltag und die erste Liebe kämpfen. Rausfinden, wer man eigentlich ist. Was man beruflich machen will. Wer man überhaupt sein will. Das ist gar nicht so einfach. Umso logischer erscheint es, dass man sich, neben seinen Freunden, Hilfe und Unterstützung in den sozialen Medien sucht. Doch ist das immer so hilfreich? Weiterlesen

Rezension: „Die Nacht der Bärin“ von Kira Mohn

[Eigenes Exemplar]

Zum Inhalt:

Jule führt eigentlich eine glückliche Beziehung, dachte sie. Doch dann geschieht etwas, was sie in ihren Grundfesten erschüttert. Sie fährt erstmal zu ihren Eltern, um zu überlegen, was sie nun tun soll. Dort erfährt sie überraschend vom Tod der ihr unbekannten Großmutter. Sie fährt mit ihrer Mutter zu dem Haus ihrer Kindheit, um den Nachlass zu ordnen. Nichtsahnend, dass sie dort einem dramatischen Familiengeheimnis auf die Schliche kommt….

Meine Meinung:
Erstmal vorweg: Spoilerwarnung / Triggerwarnung!

In dieser Geschichte geht es um häusliche Gewalt und die Geschichte geht unter die Haut.

Die Geschichte spielt in zwei Zeiten:

Da ist zum einen die Gegenwart, in der Jule ihre eigene Beziehung in Frage stellen muss und hautnah miterlebt, wie ihre Mutter auf den Tod der Großmutter reagiert, die Jules Mutter seit ihrer eigenen Kindheit nicht mehr gesehen hat. Zu der sie keinen Kontakt mehr hatte, seit sie und ihre kleine Schwester in eine Pflegefamilie ziehen mussten. Weiterlesen

Beitrag: „So leise wie ein Sommerregen“ von Leonie Lastella

[Eigenes Exemplar]

Zum Inhalt:

Hopes Leben gleicht einem Scherbenhaufen: ihr Vater kommt bei einem Einsatz im Ausland ums Leben und Hope erfährt, dass ihre Mutter eine Affäre hat und sie beide kurz nach der Trauerfeier auf die Outer Banks umziehen werden. Mitten in diesem Kummer lernt Hope Cooper kennen.

Cooper, dessen Leben sich gerade von einem Scherbenhaufen erholt, ist von Hope schon in den ersten Momenten fasziniert. Doch gibt es in Hopes Leben überhaupt Raum für ihn? Er übt ich in Geduld und als er schon fast die Hoffnung aufgeben will, kommt Hope ihm endlich dank eines Zufalls näher und sie merkt schnell, dass seine Gegenwart ihren Schmerz lindert. Doch reicht das aus für eine gemeinsame Zukunft?

Meine Meinung:

Ich habe mir „So leise wie ein Sommerregen“ ganz spontan Ende August auf der Braunschweiger Buchmesse Leseflair bei der Autorin gekauft und es innerhalb von wenigen Tagen geradezu verschlungen. Weiterlesen

Rezension: „Zusammen sind wir unendlich“ von Melissa Keil

Melissa Keil – Zusammen sind wir unendlich

[Eigenes Exemplar]

Zum Inhalt:

Sophia ist ein Mathegenie und sozial sehr unbeholfen, was auf der Highschool nicht wirklich hilfreich ist. Zum Glück hat sie wenigstens eine Freundin, die sie durch den täglichen Highschool-Dschungel durchmanövriert. Doch Elsie will zum Studium in die USA ziehen.

Und dann ist da noch Josh, der Hobbymagier, der Sophia schon lange insgeheim sehr mag und mit kleinen und größeren Zaubertricks versucht, Sophias Herz zu gewinnen.

Sophia gewöhnt sich langsam an ihn und auch sie verspürt Schmetterlinge im Bauch, doch ihre Unbeholfenheit im Umgang mit Menschen und Gefühlen.

Meine Meinung:

Die Geschichte, die sowohl aus der Sicht von Sophia, als auch aus der Sicht von Josh erzählt wird, ist eine angenehme und liebevolle Geschichte über das Erwachsenwerden und dessen Tücken.

Die verschiedenen Erzählperspektiven werden mit einem passenden Bild klar definiert, so dass man leicht sieht, wer jetzt die Geschichte weitererzählt. Weiterlesen

Rezension: „No & ich“ von Delphine de Vigan

[Eigenes Exemplar]

Zum Inhalt:

Die 13jährige Lou ist hochbegabt und hat zwei Klassen übersprungen. Seit dem plötzlichen Kindstod ihrer kleinen Schwester ist Zuhause alles anders als vorher. Ihre Mutter kämpft mit schweren Depressionen. Der Vater versucht die Familie irgendwie zusammenzuhalten. Und Lou versucht, alles zu verstehen und dabei Stück für Stück erwachsen zu werden.

Als sie ein Schulreferat halten muss, weiß sie erst nicht, worüber. Doch dann begegnet ihr No. 18 Jahre alt und obdachlos. Lou ist fasziniert von No und die beiden freunden sich an. Und dann beschließt Lou, dass sie No von der Straße holen will. Es muss doch möglich sein, die Welt zu verändern…

Meine Meinung:
Eins der besonderen Bücher, die man in die Hand nimmt und nicht mehr weglegen kann. Lou ist bezaubernd. Unheimlich klug, mit den zwei Jahre älteren Klassenkameraden und deren Freizeitvergnügen weitestgehend überfordert. Immer zu am Denken und Überlegen und Forschen und Lernen. Sie versucht, die Welt und die Menschen zu verstehen, doch meist gelingt es ihr nicht. Weiterlesen

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